Antrag der Fraktion DIE LINKE an die BV am 24. Juni 2010
Der Bezirk Altona soll im Zuge der Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung bis 2014 insgesamt 1.418.000 Euro aus dem Jugendhilfebereich erbringen. Diese Summe soll im Wesentlichen nur durch Mittelkürzungen im Personalbereich erbracht werden. Eine Kürzung in dieser Höhe gefährdet den Fortbestand von Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, die in der Regel personell eher unterausgestattet sind, und die Qualität ihrer Arbeit. Dies gilt im gleichen Maße für die weiteren Bereiche in der bezirklichen Jugendhilfe wie auch für das Jugendamt selbst.
Die „Wilde Göre“ verfügte bisher über 1,5 Stellen, wobei die halbe Stelle durch den Weggang der Erzieherin seit längerer Zeit bewirtschaftet und nicht wieder mit einer Personalkraft besetzt wurde. Der Jugendhilfeausschuss beschloss nun am 07. Juni, eine halbe Stelle an den Jugendclub Struenseestraße in Altona-Altstadt für die Mädchenarbeit dort und eine weitere halbe Stelle an die Einrichtung „Mädchenoase“ in Altona-Nord ebenfalls für die Mädchenarbeit anzugliedern. Damit wurde gleichzeitig der Entkommunalisierung der Personalstellen und der Schließung der Einrichtung „Wilde Göre“ zugestimmt. Außerdem sollte eine halbe Stelle ganz wegfallen. Dieser Antrag wurde mit einfacher Mehrheit abgelehnt.
Die Linke setzt sich für den Fortbestand der Einrichtung „Wilde Göre“ ein. Unserer Überzeugung nach sollen Mädchen und junge Frauen geschlechtsspezifische Angebote in einem geschützten Rahmen und mit Hilfe ihrer Beteiligung nutzen können, unbeobachtet und ohne Einflussnahme durch Jungen, Männer oder ihre Familien. Viele Mädchen und junge Frauen benötigen Beratungen, Unterstützung und gezielte Hilfeleistungen, die sie in ihren Familien oder im sonstigen Umfeld nicht erhalten können. Eine Reihe von ihnen will sich außerdem keiner Bedrohungssituation aussetzen. Ihnen kann eine Einrichtung keine Sicherheit vermitteln, die von beiden Geschlechtern aufgesucht wird und die sie, von allen beobachtbar, betreten müssten. Zahlreiche Mädchen und junge Frauen werden in ihrer Persönlichkeitsentwicklung in unliebsame Rollen gedrängt, können nicht einen eigenen Weg für sich finden, erfahren physische und psychische Gewalt oder werden sexuell missbraucht. Die „Wilde Göre“ stellt für sie ein Rettungsanker dar. Selbst wenn es einen weniger dramatischen Hintergrund gibt, sollten Mädchen und junge Frauen einen Raum für sich nutzen können.
Die Bezirksversammlung möge beschließen, die kommunale Mädcheneinrichtung „Wilde Göre“ in Altona-Altstadt nicht zu schließen, sondern weiterhin ein Angebot für die Sozialarbeit mit Mädchen und jungen Frauen im geschützten und nur ihnen zugänglichen Rahmen vorzuhalten.