Rede von Robert Jarowoy zur Aktuellen Stunde in der BV am 28.01.2010
Nun wird der Altonaer Bahnhof 2015 also geschlossen. Nicht zum ersten Mal.
Der Abriss des Altonaer Bahnhofs 1976 basierte auf der Lüge, dass das Gebäude der Untertunnelung durch die neue S-Bahnverbindung nicht standhalten würde. Tatsächlich wurde der Bahnhof dann aber erst 2 Jahre nach der Untertunnelung abgerissen. So ist das mit der Wahrheit. Aber das kennen wir ja auch vom Bismarckbad, wo behauptet wurde, es sei völlig marode und nicht sanierbar.
Zurück zum Bahnhof.Die Stadt Altona schuf sich in den 70er Jahren des 19. Jhdts. mit der Verlegung des Bahnhofs von hier (dem Rathaus) zum jetzigen Noch-Standort ein herausragend schönes und funktionales Zentrum mit der großzügigen Parkanlage zwischen Rathaus und Bahnhof. Die jetzt beschlossene Verlegung des Fernbahnhofs nach Norden beschädigt dieses Zentrum und folgt nicht etwa der damaligen Idee, den Altonaerinnen und Altonaern eine verbesserte Verkehrsanbindung zu bieten, sondern im Gegenteil, sie ihnen zumindest teilweise zu nehmen.
Sicherlich kann man argumentieren, dass es in Iserbrook auch keinen Fernbahnhof gibt, und bald auch keinen Buchenhofwald mehr, und Lurup und Osdorf überhaupt keine Schienenanbindung haben und die Leute dort trotzdem irgendwie zurecht kommen. Aber wenn die Bahn das in Altona durch die Schließung des Bahnhofs eingesparte Geld in England oder Spanien investiert, und das tut sie mit zunehmender Tendenz, demnächst auch noch in Skandinavien und Osteuropa, ist das wahrscheinlich gut für künftige renditegierige Anleger, wenn der Börsengang der Bahn dann endlich durchgesetzt sein wird, nicht aber für die Menschen in Altona.
Nun hat der Bezirk Altona zwar noch nicht einmal ein Mitspracherecht bezüglich der Bahnentwicklung, obwohl die Stadt Altona der Bahn vor 130 Jahren ein Großteil der für die Trassenführung benötigten Grundstücke kostenlos zur Verfügung gestellt hat, aber man hätte vom Bezirk wenigstens ein kleines bisschen Protest, ein bisschen Fürsorge für die hier lebenden Bürgerinnen und Bürger erwarten können. Denn immerhin wird der Altonaer Bahnhof täglich von mehr als 100.000 Fahrgästen frequentiert. Und wenn man diesen das ohnehin schon arg ausgedünnte Fernbahnangebot nimmt, die Regionalbahnverbindungen nach Schleswig-Holstein kappt und womöglich auch noch die S-Bahnverbindung über die Holstenstr. nach Dammtor, dann verbleibt gerade noch eine Verbindung zwischen Blankenese und dem Kiez, dafür kommt aber möglicherweise ein Fernbahnhof in Langenfelde, wo ihn niemand braucht.
Na ja, zum Ausgleich werden wir hier im Herzen Altonas dann wohl IKEA bekommen. Eine städtebauliche und stadtplanerische Meisterleistung. Herzlichen Glückwunsch!