29. Januar 2009

Gleichstellung und Integration - Sitzung vom 19. Januar 2009

Bericht von Hildegard Heinemann und Anita Friedetzky

In dieser Sitzung haben sich zwei Beratungsstellen vorgestellt, die Opfer von häuslicher Gewalt beraten, begleiten und neue Perspektiven aufzeigen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes, gewaltfreies Leben.

Zunächst stellten Frau Denker und Frau Yildrim die Interkulturelle Beratungsstelle für Opfer häuslicher Gewalt und Zwangsheirat – i.bera – vor.

Die Arbeit umfasst:

  • Beratungen für Opfer;
  • Fortbildungen für MitarbeiterInnen von Jugendamt, Polizei und LehrerInnen; Öffentlichkeitsarbeit;
  • Fachveranstaltungen für Multiplikatorinnen.

In Vorbereitung sind pädagogische Workshops für Schulen. Die Zielgruppe dieser Beratungsstelle sind Menschen mit Migrationshintergrund. Frauen, Männer und Minderjährige die angedrohte und vollzogene Gewalt erleben und/oder Zwangsheirat. Dabei sind Einzelberatungen am meisten erwünscht, aber auch Paar- und Einzelberatungen. Die Beratungen sind anonym, sensibel; es wird ein geschützter Raum angeboten mit Empathie für die Ratsuchenden. Dabei wird großer Wert darauf gelegt, dass es sich um Menschen handelt mit unterschiedlichen Biographien, kulturellen Hintergründen, Erfahrungen etc. Diese Beratungsstelle ist für ganz Hamburg zuständig. Die Beratung erfolgt in der Muttersprache, gegebenenfalls können DolmetscherInnen hinzu gezogen werden.

i.bera, Interkulturelle Beratung für Opfer von häuslicher Gewalt und Zwangsheirat, Hospitalstr. 109, Tel.: 040-238 55 83 23, www.verikom.de, e-mail.: i.bera@verikom.de

Danach stellten Frau Voigt und Frau Titze pro aktiv Hamburg vor. Diese Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt setzt dass Gewaltschutzgesetz von 2002 um. Das heißt, die Interventionsstelle wird von der Polizei nach einem Einsatz per Fax und bei Einwilligung der Betroffenen unterrichtet. Bei Gewalttaten im häuslichen Bereich kann die Polizei dem Täter für 10 Tage eine Wegweisung erteilen, ihm den Schlüssel abnehmen und das weitere Betreten der Wohnung verbieten.

Pro aktiv Hamburg hat eine Lotsenfunktion und unterstützt die Opfer bei den ersten Schritten in der Krise und hilft gleichzeitig, wenn erwünscht, rechtliche Schritte einzuleiten. 96% der Betroffenen sind Frauen, davon um die 80% Frauen im Alter von 20 – 40 Jahren, meist mit Kindern. Dabei ist immer zu beachten, dass die Kinder ebenfalls betroffen und traumatisiert sind. Die Kinder brauchen ebenso Hilfe. Die Betroffenen erfahren in aller Regel von der Polizei von dieser Interventionsstelle. Die Interventionsstelle versorgt um die 100 – 120 Menschen pro Monat, davon sind schätzungsweise die Hälfte mit Migrationshintergrund. Bei sprachlichen Schwierigkeiten können Dolmetscherdienste in Anspruch genommen werden. Auch diese Interventionsstelle ist für ganz Hamburg zuständig.

pro aktiv Hamburg, Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt, Altonaer Str. 65, Tel.: 040-41 30 70 80, e-mail.: info@gewaltschutz-hamburg.de

Bei pro aktiv Hamburg angeschlossen ist dieHotline/telefonische Beratung für Opfer von häuslicher Gewalt und Stalking: Krisenintervention, Information und Orientierungshilfe. Täglich zu erreichen von 10.00 h – 22.00 unter der Telefon-Nummer: 040-226 226 27, auch an Sonn- und Feiertagen.

Die anwesenden Frauenprojektvertreterinnen waren sich darin einig, dass die Existenz ihrer Einrichtungen ein positives Signal ist, dass aber alles in allem zu wenige Frauen zu viele Fälle bearbeiten müssen, und dass es vor allem auch im Bereich schnellen und unbürokratischen Handelns (wozu auch die Geldvergabe zählt) noch Verbesserungen geben müsse. Es müsse eine Art "großen Topf" geben, in den die Projekte bei aktuellem Bedarf greifen könnten "für diesen ganzen Kleinkram" wie Taxifahrten, Essen (oft müssen Frauen v.a. mit Kindern spontan mit Lebensmitteln versorgt werden. Die Projekte haben deshalb einen konkreten Vorrat z.B. an Nudeln usw. vor Ort, was aber nicht ausreiche. Sie wiesen auch darauf hin, dass die Frauenhäuser nach wie vor überfüllt sind und dass es immer wieder schwierig ist, schnell vor allem Wohnersatz zu finden, da viele der betroffenen Frauen von der ARGE finanziert werden und diese die Wohnung dann als zu groß befindet, wenn die Männer raus sind.(Das muss sich frau mal vorstellen!)

Zum Thema Migration: Herr Laugell berichtete von seiner Teilnahme als Bezirksamtsvertreter am (nicht öffentlichen) Hamburger Integrationsbeirat vom 15. Dez. 2008. Es seien ca. 70 (gewählte) Vertreterinnen (d.h.: ob eine Frau dabei war, weiß ich gar nicht, hab leider vergessen, dies nachzufragen!) da gewesen - aus Migrationsvereinigungen und -einrichtungen, Handels- und Handwerkskammer, Senatskanzlei und den Bezirksämtern. Es seien drei (3) Foren gebildet worden zu den Themen: Gleichberechtigung und Teilhabe; Bildung, Ausbildung und Arbeit; Zusammenleben in der Stadt. Diese Foren sollen sich 2 bis 4mal/Jahr treffen, das Plenum 2mal/Jahr stattfinden. Beiratsmitglieder können sich nicht vertreten lassen.

Das Beste sei wohl, so Laugell, das Integrationskonzept für Altona als positiven Ansatz weiterzuentwickeln. Hierzu gibt es einen Termin in der zweiten Februarhälfte. Die Fraktionen sollen hierfür eine/n Vertreter/in bis Anfang Februar benennen.