16. Februar 2009

Jugendhilfeausschuss - Sozialräumliche Angebotsentwicklung (SAE)

Bericht von Volker Vödisch

Der Jugendhilfeausschuss (JHA) der Bezirksversammlung Altona befasst sich derzeit sehr eingehend mit einem besonderen sozialpädagogischen Angebot, nämlich der sozialräumlichen Angebotsentwicklung (SAE). Sie richtet sich an Kinder, Jugendliche und ihre Familien, die besonders gefördert und unterstützt werden müssen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Arbeitslosigkeit, die Abhängigkeit der Familie vom Bezug des Arbeitslosengeldes II, Armut trotz Arbeit, Verschuldung, Überforderung bei der Erziehung der Kinder, die Sorge um die Existenzsicherung, Suchtkrankheiten, erhebliche motorische und sprachliche Defizite bei Kindern, hohe Unterrichtsfehlzeiten, Strukturlosigkeit in der Erziehung, mangelndes Durchhaltevermögen, Gewalt oder die stete Angst um den Erhalt des Aufenthaltsstatus bei Familien aus Nicht-EU-Staaten belasten diese Familien sehr.

Das Bezirksjugendamt richtete die SAE-Projekte insbesondere in den Stadtteilen ein, in denen diese sozialen Merkmale häufig auftreten. Die Finanzierung erfolgt übrigens über so genannte Rahmenzuweisungen aus dem Landeshaushalt. Der Bezirk Altona kann dafür in diesem Jahr über ein Gesamtbudget in Höhe von 577.000 Euro verfügen. Viele Einrichtungen aus den unterschiedlichen Bereichen der Jugendhilfe bildeten unter Einbeziehung von Schulen und Sportvereinen Sozialraumteams und entwickelten gemeinsam für die Kinder, Jugendlichen und ihre Eltern an ihren Lebensorten vielfältige Angebote, von Einzelfall- und Familienberatungen über Theater-, Koch- und Spielgruppen bis zu sportlichen Aktivitäten, Schularbeitenhilfe, Sprachförderung und Angeboten im Rahmen der Berufsfindung. Diese Angebote werden überall stark genutzt. Diese SAE-Maßnahmen dienen auch dazu, schon im Vorfeld einer familiären Krise und im Vorwege der Gefährdung des Kindeswohls mit nachhaltigen Angeboten einzugreifen und möglicherweise Hilfen zur Erziehung zu vermeiden. Durch die Nähe zum Lebensort der Familien und über die Bekanntheit der Einrichtungen vor Ort bietet sich Kindern wie Eltern ein niedrigschwelliger Zugang.

Trotzdem stieg in den letzten Jahren die Zahl der gemeldeten Kindeswohlgefährdungen und der ambulanten wie stationären Hilfen zur Erziehung sprunghaft an. Die Armutsrate ist insbesondere bei Familien mit Kindern stark angewachsen. Viele Kinder bleiben in ihren Familien in vielen Belangen unterversorgt. Dies kann weder von den Einrichtungen der Jugendhilfe noch von der sozialräumlichen Angebotsentwicklung nachhaltig angegangen werden, solange nicht genügend Geld in die Hand genommen wird, um dort viel mehr Fachpersonal anzustellen und um das eher schmale Angebot merklich auszubauen. Viele soziale Einrichtungen sind ernsthaft unterbesetzt bzw. mit zu wenig Stellen versehen, müssen aber die sozialräumliche Angebotsentwicklung obendrein bewältigen. Dieser Vorgang verhindert eine bessere Versorgung und Förderung von mehr hilfsbedürftigen Kindern, Jugendlichen und Eltern, als derzeit bedient werden können.