Presseerklärung

Wo Verbrechen sich lohnt - Die Brandstiftung des Bahrenfelder Forsthauses und die investorengerechte Umsetzung durch das Amt und die Politik - Az 3401Js160/15 -

Im Spätherbst 2014 versuchten die Altonaer CDU und die Grünen eine Baugenehmigung für Wohnungsbau auf dem Gelände des damals noch bestehenden Ausflugslokals Bahrenfelder Forsthaus zu erwirken. Das Unterfangen scheiterte zunächst im Bauausschuss, wurde dann aber mit anderen Mehrheitsverhältnissen in der Bezirksversammlung im Januar 2015 durchgesetzt.

Diesen Beschluss der Bezirksversammlung hat die Bezirksamtsleiterin beanstandet, weil sie ihn für rechtswidrig hielt, da alle planrechtlichen Ausweisungen hier eine Wohnbebauung ausschlossen.

Wenige Tage nach der Beanstandung ging das Bahrenfelder Forsthaus im Februar 2015 in Flammen auf, und zwar nach Aussagen des LKA durch professionell gelegte Brandbeschleuniger.

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Lokalpolitik in Altona am Beispiel des Bahrenfelder Forsthauses

Wenn man unter dem Stichwort Bahrenfelder Forsthaus googelt, stößt man sofort auf den durch Shakespeare berühmt gebliebenen 1485 in einer Schlacht gefallenen englischen König Richard III., der sich dadurch auszeichnete, dass er neben einer Vielzahl weiterer Morde seine Gattin Anne auf dem Scheiterhaufen verbrennen ließ.

Was das mit dem in der Nacht vom 22.auf den 23. März durch Brandstiftung vollständig niedergebrannten Bahrenfelder Forsthaus zu tun hat, erschließt sich einem nicht sofort, bei näherer Betrachtung dann aber doch.

Wann genau dieses Ausflugslokal gegründet wurde, habe ich leider nicht herausbekommen, aber es dürfte vor dem 1 .Weltkrieg entstanden sein, als der Volkspark angelegt wurde und noch nicht durch die zu Beginn der 70er Jahre gebaute Elbtunnel-Autobahn von Bahrenfeld und Altona abgetrennt war. 

Der Eigentümer des gut tausend Quadratmeter großen Grundstücks ist mit dem etwas abgelegenen Lokal vor ein paar Jahren pleite gegangen und hat es unbefristet an einen Herrn Mehmet Tas verpachtet, der dort neben dem Traditionsbetrieb mit Kegelbahnen u.Ä. auch türkische Hochzeitsfeiern ausrichtete und zu diesem Zweck eigenen Angaben zufolge ca. 600.000 € in die Ausstattung der Küche und der diversen Gasträume investierte.

Vom gültigen Baustufenplan aus den 50er Jahren ist die Fläche als Gewerbegebiet mit der speziellen Nutzung für ein Ausflugslokal ausgewiesen.

Nun hat die Immobilienfirma Köhler & von Bargen aber seit einiger Zeit ein Auge auf diese Fläche geworfen und einen Kaufvertrag mit dem Eigentümer abgeschlossen, der allerdings erst in Kraft tritt, wenn die Baugenehmigung für den Bau von sog. Stadthäusern erteilt ist.

Der Bauvorbescheid wurde von der CDU und den Grünen gegen die Stimmen der personell unterbesetzten SPD und der Linken beschlossen, allerdings von der Bezirksamtsleiterin beanstandet, weil sie ihn aus verschiedenen Gründen nicht für gesetzmäßig hielt. Zum einen, weil er den Grundzügen des gültigen Planungsrechts entgegen stünde, zum anderen, weil es einen Bestandsschutz für das Ausflugslokal geben würde.

Nach dieser Beanstandung des Beschlusses der Altonaer Bezirksversammlung durch die Bezirksamtsleitung kommt die Angelegenheit nun vor die Senatskommission als eine Art Schiedsgericht. Allerdings ist zwischenzeitlich der Aspekt 'Bestandsschutz' entfallen, weil das Gebäude mit seinen Nebenanlagen, Wintergärten usw. nur noch als Ruine existiert.

Zum Hintergrund: eine Gewerbefläche in der dortigen Lage hat derzeit einen Wert von unter 200 €/qm. Nach Erteilung einer Baugenehmigung für Wohnungsbau steigt der Bodenwert pro qm auf einen Betrag von mindestens 1.200 €, also statt einer Viertelmillion auf Eineinviertelmillionen. Köhler & von Bargen könnten das Grundstück also allein durch die Erteilung einer Baugenehmigung mit einem Zugewinn von einer schlappen Million Euro weiterverkaufen. Derartiges geschieht z.Zt. gerade in Bahrenfeld ständig. So wurde das gegenwärtig als Brachfläche dahinfristende ehemalige 'Bahrenfelder Rotlichtdreieck' zwischen der Von-Sauer-Straße und der Bahrenfelder Chaussee unmittelbar nach Erteilung der Baugenehmigung weiterverkauft. Ähnliches geschah und geschieht mit dem ehemaligen BMW-Gelände an der Stresemannstraße, das seit mehr als zehn Jahren immer wieder hin und her verkauft wird, ohne dass sich dort wohnungsbaumäßig irgendetwas tut. Lediglich die zwischenzeitliche Nutzung als eine Art Bauwagenplatz durch Wohnungslose wurde unterbunden.

Zum weiteren Hintergrund: die 1995 von drei schneidigen Start-up-Investoren gegründete Immobilienfirma Köhler & von Bargen ist in Hamburg u.a. dadurch bekannt geworden, dass sie 2012 im sog. Bernhard-Nocht-Quartier auf St. Pauli tätig wurde, indem sie 20 Millionen € investierten, um das Wohnquartier dort 'aufzuwerten'. Leider ging bei diesem Unterfangen ein denkmalgeschütztes Nachbarhaus wegen mangelnder Abstützung flöten. O-Ton Helmut Köhler damals im Hamburger Abendblatt: "Wir sind geschockt. Es bedeutet eine finanzielle Katastrophe, denn wir hatten schon 100.000 € für die Sanierung in das Haus gesteckt". Nun fragt der naive Betrachter sich, wieviel Geld wohl in das Bahrenfelder Forsthaus gesteckt wurde, um es - notfalls warm? - zu sanieren.          

Robert Jarowoy