Baumfällsaison 2015 hat begonnen

von Heike Schoon

Am 01. Oktober hat gemäß Baumschutzverordnung / Naturschutzgesetz die alljährliche bis Ende Februar andauernde Baumfällsaison begonnen. Viele Altonaer Bürgerinnen und Bürger empfinden diese Zeit eher als „Kettensägensaison“, da das Bezirksamt wieder massiv Bäume und Gehölze auf öffentlichen Flächen fällen lassen wird. Allein für den Monat Oktober wurde amtlicherseits die Fällung von 521 Bäumen an Straßen und in Grünanlagen angekündigt  -  dies ohne jegliche Ersatzpflanzungsangaben.

Wie rigoros Bäume im Bezirk Altona abgeholzt werden, zeigt eine Große Anfrage der Altonaer Bezirksfraktion DIE LINKE zu den Baumfällbilanzen der beiden Vorjahre 2013 und 2014:  

So wurden nach behördlichen Angaben allein in diesen zwei Jahren insgesamt 618 Straßenbäume im Bezirk Altona gefällt, jedoch nur 223 gleichwertige Bäume nachgepflanzt. In Altonas Parkanlagen, Waldparks, Naturschutzgebieten, Kleingartenanlagen und auf Kinderspielplätzen erfolgten in diesem Zeitraum auf insgesamt 3400 Baumfällungen sogar nur 250 gleichwertige Baumnachpflanzungen. Das Bezirksamt pflanzte zwar zusätzlich diverse Tausend kleine Baumsetzlinge, diese konnten jedoch den Grünsubstanzverlust an Straßen und auf öffentlichen Flächen in keiner Weise ökologisch aufwiegen oder ausgleichen.

Durch eine permanente Aushöhlung des Baumschutzrechts mittels eines an kommerziellen Interessen ausgerichteten Bauordnungsrechts mit vereinfachten Baugenehmigungsverfahren fällt die Baumbilanz auf den privaten Grundstücken Altonas noch gravierender aus: So standen 2013 / 2014 nach amtlichen Angaben insgesamt 3930 Baumfällungen nur 530 Ersatzpflanzungen gegenüber. Aufgrund drastischer Sparauflagen des Senats steht dem Bezirksamt zu wenig Personal sowohl zur öffentlichen Baumpflege als auch zur Kontrolle der Umsetzung von Ersatzpflanzungsauflagen zur Verfügung.

„Darüber hinaus kommt noch eine vom Bezirksamt nicht zu beziffernde Anzahl von illegal (d.h. ohne Fällgenehmigung) gefällten Bäume hinzu, die bau- oder sichtachsenbedingt vernichtet wurden, so dass wir insgesamt von einer ökologisch verhängnisvollen Baumbilanz für die letzten zwei Jahre sprechen können“, so die grün-/naturschutzpolitische Sprecherin der Altonaer Fraktion DIE LINKE, Heike Schoon.  „Die grüne Lunge Altonas, die der dringend benötigten CO2 – Speicherung, Schadstofffilterung und Lärmdämmung, dem stadtklimatischen Ausgleich sowie Freizeit- und Erholungszwecken dienen soll, wird von Jahr zu Jahr dezimiert. Wir fordern deshalb eine Umkehr in der derzeitigen öffentlichen und privaten Nachpflanzungspraxis: Jeder gefällte Baum muss zeitnah durch mindestens einen gleichwertigen einheimischen Baum ersetzt werden – zur Not auf zusätzlichen Ausgleichsflächen.“

Die Fraktion DIE LINKE in der Bezirksversammlung Altona fordert eine energische Bekämpfung bestehender Transparenz- und Prüfungsdefizite und stellt folgende Mindestforderungen an das Bezirksamt:

  •  vor einer Fällsaison rechtzeitige und vollständige Veröffentlichung der Listen über alle ge- geplanten Baumfällungen auf öffentlichem Grund  
  • bei jeder geplanten Fällung im öffentlichen Grün genaue Information über Ersatzpflan-zungen. Nur der Bezirk Altona (als einziger Hamburger Bezirk) hat bisher überhaupt keine Nachpflanzungsangaben in seinen Fälllisten für Straßen und öffentliche Grünflächen.
  • Vorabinformation (an den zuständigen Fachausschuss) über alle Baumfällanträge auf priva- ten Grundstücken, bei denen das Amt plant, sie positiv zu bescheiden. Bisher erfolgt erst eine Information, nachdem der private Baum normalerweise bereits gefällt worden ist.
  •  Wiedereinführung einer Prüfung zur Einhaltung der Baumschutzverordnung auch im verein-fachten Baugenehmigungsverfahren
  •  bessere Kontrolle der Umsetzung von Ersatzpflanzungsauflagen mittels Einführung einer Kautionshinterlegung für jeden nachzupflanzenden Baum auf privaten Grundstücken

Stoppt die Falkenstein-Baumkiller

von Günther Pingel

Immer wieder schlagen einige Immobilien-Eigentümer am Falkensteiner Wald-Elbhang als illegale Baumfäller in frevlerischer Weise zu. Der Prominenteste war vor Jahren der Verleger Schulte-Hillen (Grüner & Jahr), dem eine Strafe von 100.000 DM angedroht wurde. Jetzt sind wieder Bäume illegal am Hang unterhalb der ehemaligen Axel-Springer-Villa im Sven-Simon-Park abgesägt worden. Es ist deutlich zu sehen, dass es sich um eine Sichtachse mit Elbblick handelt. Eine Bewohnerin der Luxus-Eigentumswohnungen äußerte: „man kann nur von der oberen Penthausetage über die hohen Bäume die Elbe sehen". Im Zuge des Verkaufs der umgebauten Eigentumswohnungen in der Villa und der Maklerwerbung „mit Elbblick" ist wohl der Kahlschlag erfolgt. Weitere Bäume sind bereits angesägt. Gegen diesen Baumfrevel haben sich Bürgerinnen empört an uns als Linksfraktion gewandt und zu Ge-genmaßnahmen aufgerufen. Nach Auskunft im Amt, ist Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt worden und ein großer Baum, der den Wander-weg versperrt, soll zunächst als „Mahnmal" liegen bleiben. Die Bürgerinnen des Arbeitskreises fordern eine Nach-pflanzung, damit die Baumfrevler erkennen, dass sie nicht ohne Konsequenzen davon kommen. Außerdem wird der Arbeitskreis eine entsprechende Aktion starten. Für den Arbeitskreis: Günter Pingel, Mitglied im „Ausschuss für Grün, Naturschutz und Sport" November 2008