Die Elbtreppenhäuser in Neumühlen/Övelgönne sollen weitgehend abgerissen werden

Eigentümerin ist die SAGA, die wieder einmal Gold schürfen möchte, um die Übernahmekosten der GWG daraus zu finanzieren. Leidtragende sind die jetzigen Mieter/innen und Altona als Standort für Geringverdiener.

Die SAGA wurde in den 20er Jahren des 19. Jhdts. als Siedlungsgesellschaft für Altona gegründet. Unter Leitung des Altonaer Bausenators Gustav Oelsner und in der Verantwortung des sozialdemokratischen Oberbürgermeisters von Altona, Max Brauer, entwickelte sie für die damalige Zeit vorbildliche Wohnungsprojekte vor allem für die Arbeiterschaft. Die Steenkampsiedlung, der Moltkeblock oder die Häuserblocks in der Ohmstraße sind heute noch bestehende besonders gelungene Beispiele, wo städtebauliche Aspekte verbunden wurden mit einer mieter-, familien- und kinderfreundlichen Architektur. 'Licht, Luft und Farbe für Altona' war das Motto.

Das aus 5 Häusern bestehende Elbtreppen-Ensemble stellt das letzte derartige Zeugnis einer längst vergangenen Zeit der Altonaer Geschichte dar. Bereits im 18. Jhdt. entwickelte sich Altona unter dänischer Hoheit in Konkurrenz zu Hamburg als aufstrebender Hafen- und später Industriestandort. Zollfreiheit und andere aus Kopenhagen gewährte Privilegien bildeten die Grundlage dafür.

Es entstand an der Elbe zwischen dem heutigen Museumshafen Neumühlen und dem Altonaer Fischmarkt ein stetig anwachsendes Hafenareal mit Lagerhallen (Kaispeichern) und Verarbeitungsbetrieben, vor allem für die Fischindustrie. Oben drüber thronten die Villen der Reichen vom Altonaer Balkon bis nach Nienstedten. Das im Krieg zerbombte Donner-Schloss war wohl das prächtigste und passte sich architektonisch gut ein mit dem Prachtbau des Altonaer Rathauses, den der dänische Architekt Hansen  entworfen und hatte ausführen lassen.

Zwischen den Hafen- und Industrieanlagen am nördlichen Elbufer und den Villen und Schlössern an der Elbchaussee entstanden Arbeiterwohnungen in sog. Sahlhäusern. Das sind Häuser mit 3 Eingangstüren, wobei die mittlere direkt in die oben gelegene Wohnung führt. Neben einigen Häusern des Elbtreppen-Ensembles dieser für den Beginn des 19. Jhdts. typischen Bauweise findet man vor allem im Osterkirchenviertel in Ottensen noch einige solche vor.

Die Elbtreppenhäuser mit der seit Jahren leerstehenden einst legendären Kneipe 'Zwiebel', die die SAGA nicht mehr weitervermieten wollte, sollen nun von der Besitzerin, der SAGA/GWG, im unteren elbnahen Bereich abgerissen und durch sechsgeschossige Wohntürme mit darunter gelegenen Tiefgaragen auf Straßenniveau ersetzt werden, so dass faktisch eine achtgeschossige Bebauung entsteht, die sogar der CDU und GAL schwer im Magen zu liegen scheint, während der berüchtigte Hamburger Oberbaudirektor Walter als Nummer 3 in der GALgeführten Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt BSU (Senatorin Hajduk) begeistert von den Plänen der SAGA ist.

Die beiden zuoberst gelegen Häuser mit den Hausnummern 13 und 15 sollen erhalten bleiben und modernisiert werden, wobei die damit verbundenen Mieterhöhungen moderat und gestreckt über einige Jahre erfolgen sollen. Von jetzt ca. 5 € auf dann ca. 10 €. Tatsächlich wird sogar davon gesprochen, dass in den Wohntürmen 4 Wohnungen öffentlich geförderter sozialer Wohnungsbau sein sollen, was sich erstmal ganz nett anhört.

Tatsächlich bedeutet es aber die Zerschlagung der Wohnhäuser in ihrer jetzigen und historisch gewachsenen Form und die Errichtung weiterer Bausteine in der von der Altonaer Bevölkerung nicht gewollten 'Perlenkette' am nördlichen Elbufer. Hafencity, Tanzende Türme, Kristall, Docklands, Kreuzfahrtterminal mag für die Schickeria und irgendwelche Reedereien mit China-Ambitionen interessant und chic sein. Für Altona ist es Scheiße.

Die verbliebenen Bewohnerinnen und Bewohner der Heuburg/Elbtreppe (die SAGA vermietet leergezogene Wohnungen seit vielen Jahren nicht mehr neu) haben ein Konzept vorgelegt, wie sie als Baugemeinschaft die Häuser komplett übernehmen  und denkmalsgerecht restaurieren würden. Die SAGA hat dieses Konzept ignoriert und möchte mit Unterstützung der BSU und besonders des Oberbaudirektors gnadenlos ihr ausschließlich rendierteorientiertes Abriss-/Modernisierungskonzept durchsetzen.

Hiergegen regt sich Widerstand seitens der Bewohnerinnen und Bewohner, die jetzt ein Bürgerbehren gegen die vom Altonaer Bauausschuss zu erteilende Abrissgenehmigung der vorderen 3 Häuser auf den Weg bringen werden.

Dieses Bürgerbegehren werden wir als Partei DIE LINKE mit aller Kraft unterstützen.

Robert Jarowoy, Vorsitzender des Bauausschusses (Kräfteverhältnis in diesem Ausschuss: CDU 5, GAL 3, SPD 4, FDP 1, DIE LINKE 1)