Stadtplanung im Elbecamp

Bericht von Robert Jarowoy

Für die erste Woche der großen Ferien Ende Juni 2012 hat die Bezirksfraktion Der Linken Altonaer Kinder im Grundschulalter aus Familien, die nicht so viel Geld haben, zu einer Ferienfreizeit ins Elbecamp am Falkensteiner Ufer eingeladen. Hintergrund und Ziel dieser Einladung war allerdings nicht nur die Ermöglichung von ein paar unbeschwerten Tagen für die Kinder und ihre überwiegend alleinerziehenden Mütter, die einmal ganz entspannt zu Hause bleiben, ins Kino gehen oder ausschlafen können sollten (was natürlich nicht wirklich gelang, dazu aber später mehr), sondern die Frage für unsere Fraktion, wie wir Partizipation von Kindern bei der Stadtplanung und Inklusion, also vor allem Einbeziehung von Kindern mit Behinderungen, in der Praxis hinbekommen können.

Wir waren drei Mitglieder unserer Bezirksfraktion (alles alte Männer um die 60, teils pädagogisch vorgebildet, teils davon unbeleckt) und zwei zur Verstärkung hinzugezogene junge Frauen vom Fach, eine Sozialpädagogin und eine Erzieherin. Die Kinderschar bestand aus 19 Sechs- bis Zehnjährigen. Hinzu kam zeitweise der körperlich und geistig schwer behinderte Nico mit seinem Vater Arnold, der die Fotos machte.  In der Einladung hatten wir geschrieben, dass das Camp in Zusammenarbeit mit dem Kinder-Mitmachzirkus ABRAXKADABRAX stattfinden würde, was vielleicht der Grund gewesen ist, dass seitens der Kinder im Verhältnis 4:1 Anfragen und Anmeldungen für Mädchen eingingen, da Zirkus angesichts der parallel stattfinden Fußball-Europameisterschaft offenbar eher als Mädchensache angesehen wird, was uns zuvor nicht klar war.

Foto: Arnold Schnittger (www.arnoldschnittger.de)

Obwohl das Wetter anfangs alles andere als gut und Zeltplatz geeignet war, war die Stimmung trotz aller Pannen, Mama-Sehnsucht, Zickigkeiten und sogar Liebeskummer eigentlich super. Die Kinder waren mit Feuereifer in zwei sich abwechselnden Gruppen mit der Planung eines Spielplatzes und den Vorübungen für eine akrobatisch-artistische Zirkus-Aufführung für Familienangehörige am Abschlusstag befasst und haben sich dabei oft besser geschlagen, als man es von den Großen kennt.

Bemerkenswert vor allem die Hilfsbereitschaft untereinander und dann, nach anfänglicher Unsicherheit, auch und besonders Nico gegenüber. Da es im Sand sehr schwer ist, sich im Rollstuhl fortzubewegen, haben die Kinder Nicos Rollstuhl immer wieder flottgemacht, was er toll fand und ihnen dafür erlaubt hat, mit seinem Rollstuhl herumzufahren und die Erfahrung zu machen, was es heißt, im Rollstuhl zu sitzen.

Für die Stadt- bzw. Spielplatzplanung wurden zufällige Materialien vom Strandgut/Treibholz bis zur Muschel oder Bierdose gesammelt und nach zuvor gemeinsam erstellten Plänen (was brauchen wir, was wollen wir, wie soll es aussehen?) unter Zuhilfenahme von Kleister und Lehm in eindrucksvollen Modellen zusammengefügt. Hierzu wird es Ende November eine zweiwöchige Ausstellung im Altonaer Rathaus geben.

Die Zirkusübungen sind mit Worten schwer zu beschreiben, aber umso eindrucksvoller in dem abgebildeten  Fotoreigen dokumentiert.

Die Abende im Tipi-Zelt mit Geschichten und Singen und anschließenden Nachtwanderungen werden uns und den Kindern genauso ein unvergessliches Erlebnis sein wie das Stürmen und Prasseln des Regens, das Abwaschen und vor allem der Spaß, den wir zusammen hatten.

Was es für Achtjährige und ihre Mütter heißt, sich erstmals für fast eine Woche voneinander zu trennen, wollen wir an dieser Stelle nicht vertiefen, aber es ist bei aller Freude, aller Entlastung und allem Quatsch doch sehr schwer, und deswegen möchten wir den Dank, den wir bei der Abschlussveranstaltung in Form von Geschenken und Herzlichkeiten  bekommen haben, an dieser Stelle zurückgeben: Kids und Mamas – ihr seid supi!

Foto: Arnold Schnittger (www.arnoldschnittger.de)