Rettet die FABRIK – unterstützen Sie die Petition zum Erhalt der FABRIK!

von Robert Jarowoy

Seit 39 Jahren hat sich die FABRIK unter Leitung ihres Gründers Horst Dietrich zu einem kulturellen Wahrzeichen Altonas und zu einem lebendigen soziokulturellen Zentrum für offene und kostenlose Kinder- und Jugendarbeit entwickelt, die weit über Altonas Grenzen hinaus bekannt ist. Diese Institution ist nun akut in Gefahr, weil ihre Förderung durch die BKSM (Behörde für Kultur, Sport und Medien) in Frage gestellt wird.

Zum Hintergrund: Die FABRIK trägt 80% ihrer Gesamtkosten (Personal, Miete, Künstlergagen, Technik) aus den Erlösen zu ihren Veranstaltungen. 20% (knapp 550.000 € pro Jahr) kamen bisher von der BKSM. Etwa 120.000 € jährlich wiederum muss die FABRIK an die Stadt Miete bezahlen, da diese sich weigert, Grundstück und Gebäude in die gemeinnützige Stiftung zu überführen, die die FABRIK seit einigen Jahren mit einem Vorstand, Aufsichtsrat und dem Geschäftsführer Horst Dietrich betreibt.

Zum Vergleich: Die Subventionen für die Staatsoper betragen täglich(!) 113.000 €. Nach Fertigstellung der aberwitzig teuren Elbphilharmonie werden die Tagessubventionen voraussichtlich ein Vielfaches vom Subventionsbedarf der Staatsoper verschlingen. Ob die Staatsoper und die Elbphilharmonie überhaupt irgendeine Miete an die im Besitz der FHH befindlichen Grundstücke und Gebäude bezahlen, ist mir, dem Verfasser dieser Zeilen, nicht bekannt.

Die FABRIK beschäftigt ca. 45 Mitarbeiter/innen und bietet neben ihren abendlichen Musikveranstaltungen tagsüber kostenlose Mitmach-Kurse beispielsweise in den Bereichen Theater, Foto, Internet, Töpfern, Schularbeitenhilfe an. Diese zum Teil mit den umliegenden Schulen gemeinsam organisierten Workshops und Kurse sind seit Jahrzehnten täglich außerordentlich gut besucht und haben Generationen von Kindern und Jugendlichen aus Ottensen gefördert. Sogar spätere Kultur-Berühmtheiten wie der deutsch-türkische Regisseur Fatih Akin sind daraus hervorgegangen. Dass diese Arbeit – genauso wenig wie die Nachwuchsförderung innerhalb der Musik-Szene – nicht ohne öffentliche Förderung geleistet werden kann, versteht sich von selbst. Ein Förderbetrag von unter 550.000 € (1996 betrug er umgerechnet noch 819.000 €) erscheint extrem niedrig, zumal er durch die Mietleistungen zu einem nicht geringen Teil wieder an die Stadt zurück überwiesen werden muss. Lohn- und Umsatzsteuer für den Staat nicht einbezogen.

Nun hat die BKSM vertreten durch ihren Abteilungsleiter für Kunst, Kreativwirtschaft, Musik und Kulturprojekte, Herrn Dr. Pit Hosak, am 25.5.2010 einen Brief an die FABRIK-Stiftung zu Händen Horst Dietrich geschrieben, in dem sie die mögliche Bereitstellung von weiteren Fördermitteln für den Zeitraum 2011/2012 von folgenden Voraussetzungen abhängig macht:

  1. Aufsichtsrat und Vorstand sind bis zur Sommerpause neu zu besetzen.
  2. Der neue Vorstand wird bis spätestens 30.9.10 einen neuen Geschäftsführer der FABRIK bestimmen.
  3. Um Ihre Erfahrung weiterhin zu nutzen, wechseln Sie (Horst Dietrich, Anm.d.Verf.) bis 30.9.10 in den Aufsichtsrat.
  4. Parallel dazu wird mit externer Unterstützung durch den neuen Vorstand bis Ende des Jahres ein Sanierungskonzept erstellt, das inhaltlich eine zukunftsweisende Positionierung der FABRIK und finanziell ein ausgeglichenes wirtschaftliches Ergebnis zum Gegenstand hat.
  5. Die noch ausstehende Ziel- und Leistungsvereinbarung für das Jahr 2010 wird bis zum 30.6.10 erarbeitet und unterzeichnet.

Dieses Konzept ist die diktierte Kapitulationsunterzeichnung des bisherigen Konzeptes, für das Horst Dietrich seit 39 Jahren steht, und das für viele Stadtteilzentren bundesweit Pate stand. Unter Leitung der Kulturbehörde und eines von ihr eingesetzten neuen Vorstandes und Geschäftsführers soll die FABRIK in eine rein kommerziell ausgerichtete Disco umfunktioniert werden. Die Kinder- und Jugendarbeit, die Nachwuchsförderung im Musikbereich würden dabei genauso untergehen wie Horst Dietrich mit seiner altersmäßig voll durchmischten Truppe und deren sozikulturellem Engagement in Ottensen, Altona und weit darüber hinaus.

Das darf nicht passieren. Deswegen rufen wir alle dazu auf, den Widerstand gegen diese Knebelungs-und Unterwerfungspolitik der Kulturbehörde bzw. des Hamburger Senats zu unterstützen und sich in den kommenden Monaten an den vielfältigen Solidaritätsaktionen zum Erhalt der FABRIK zu beteiligen.

Robert Jarowoy, 27.6.2010