Kay Burmeister ist tot

Unfassbar für uns, dass unser enger Freund und Genosse Kay aus heiterem Himmel ohne irgendeine erkennbare Erkrankung mit Anfang 40 aus dem Leben gerissen wurde. Am Freitag haben wir zusammen Plakate geklebt, am Sonntag waren wir verabredet, sie aufzustellen. Da war er nicht mehr erreichbar, was gar nicht seiner Art entsprach, denn wenn er etwas zugesagt hatte, konnte man sich immer fest auf ihn verlassen.
Wir haben Kay als einen der lautersten und aufrechtesten Freunde und Genossen kennen gelernt. Sicherlich war er in der politischen Auseinandersetzung oft nicht einfach, aber ganz bestimmt immer konsequent und geradlinig. Jede Form taktischen, opportunistischen oder  vorteilsnehmenden Verhaltens war ihm zutiefst zuwider. In den unzähligen Diskussionen, die wir mit ihm beim Flugblattverteilen, Stellschilderaufstellen, aber auch bei einem Glas Wein nach Parteiversammlungen, Demonstrationen, Stadtteilfesten oder einfach so geführt haben, waren wir in vielen Fragen nicht einer Meinung, aber wir haben uns stets auf einer Basis auseinandergesetzt, die ein gemeinsames Grundverständnis von Internationalismus, Solidarität  und sozialer Gerechtigkeit hatte.
Was wir über Kay aus seinen Erzählungen wissen, ist dies, dass er in Norderstedt in den 80er Jahren bei den Grünen aktiv war und sich dort auch kommunalpolitisch betätigte. Angewidert von dem Karrierismus und dem unbedingten Willen zur Machtbeteiligung trat er bei den Grünen aus und nahm, umgezogen nach Altona, mit der PDS Kontakt auf. So haben wir ihn auf dem  Spritzenplatz am Infostand kennengelernt. Und obwohl er im Herzen wohl immer noch ein radikaler grüner Fundi war, trat er bei der Fusion von PDS und WASG der neu entstandenen LINKEN bei. Anfänglich mit sehr großem Engagement. Als er dann aber ähnliche Tendenzen wie bei der Entwicklung der GAL bei der LINKEN wahrnahm, zog er sich zunehmend aus dem  Parteigeschehen zurück und engagierte sich schwerpunktmäßig mehr bei basisdemokratischen
außerparlamentarischen Aktivitäten. Der Kampf gegen AKWs und ihre Folgen in Gorleben und anderswo, der Widerstand gegen Moorburg und die Fernwärmetrasse durch den Altonaer Grünzug und sein Engagement für das Volksbegehren ‚Unser Hamburg – unser Netz’ sind neben dem Einsatz für die Organisation des Methfesselfestes und für Cuba Si wohl die Kernpunkte seiner politischen Betätigungen der vergangenen zwei Jahre gewesen.
Parteibezogen blieb er dabei der Ottenser Stadtteilgruppe immer verbunden: tatkräftig, menschlich, politisch.
Kay hat u.a. Philosophie studiert und eine Tischlerlehre abgeschlossen. Das letzte Jahr seines Lebens hat er in einem Baumarkt an sechs Tagen wöchentlich gearbeitet. Vor drei Wochen, als wir eine Woche Urlaub machten, hat er, wie schon so oft, unsere Blumen gegossen und sich um unsere sonstigen Angelegenheiten gekümmert.

Die Veranstaltung zum Altonaer Bahnhof, für die wir zusammen die Plakate geklebt haben, findet vielleicht gleichzeitig mit seiner Beerdigung statt. Wir können es immer noch nicht fassen und sind unendlich traurig. Ein sehr enger Freund und Genosse ist von uns gegangen. Einer der besten und uns nahestehendsten. Wir werden ihn nicht vergessen.
Beate Reiß und Robert Jarowoy

Da seine Eltern es offenbar nicht möchten, dass politische WeggefährtInnen zur Beerdigung kommen, laden wir seine Freundinnen und Freunde, seine Genossinnen und Genossen zu einem Abschiednehmen ein, das in seiner Lieblingskneipe, der Werkstatt 3, stattfinden soll.
Am Sonnabend, den 1.10.2011, ab 18 Uhr.