Kemal Altun Platz Anfang der 1980er Jahre

Internationales Friedens- und Freundschaftsfest Kemal Altun Platz 1.09.2012

Fotos: Reinhard Schwandt

Der Kemal-Altun-Platz heisst Kemal-Altun-Platz

DIE LINKE Bezirksfraktion Altona ruft auf zur Straßenschilderaufstellung

am 16. Juni 2012 um 14 Uhr

In den 1960er und 70er Jahren sollte der Stadtteil Ottensen zu einer 'City-West' umgebaut werden. Auf dem Gelände der ehemaligen Baggerfabrik Menck&Hambrock und anderen freiwerdenden Industrieflächen sollten Hochhäuser und Büroflächen entstehen. Diese Pläne wurden wegen massiver Bürgerproteste und dem sich wandelnden städtebaulichen Zeitgeist nicht umgesetzt. Stattdessen wurde mit der Sanierung des maroden Stadtbildes begonnen. Zwischen 1974 und 1979 erfolgte nach und nach dem Abriss der Werkshallen und des Verwaltungsbebäudes von Menck&Hambrock.

Ab 1980 wird der Bauzaun immer wieder eingerissen und der Platz mit verschiedenen phantasievollen Aktionen besetzt. Die Ottenser entdecken die Industriebrachfläche als Fläche zum Spielen, Feiern, Feuer machen, für Open-Air-Kino und Flohmärkte. Ab 1982 beginnen verschiedene Bürgerinitiativen, den Platz in einen Stadtteilpark umzugestalten. Die Spielplatzinitiative Ottensen erstreitet Am Born/Bergiusstraße einen Teil des Geländes für den bis heute bestehenden Aktivspielplatz. Die verbleibende Fläche wird anfangs ohne, später mit Bürgerbeteiligung so gestaltet, wie sie heute aussieht und dabei immer und überall Kemal-Altun-Platz genannt.

Der Student Kemal Altun war 20 Jahre alt, als er nach dem Putsch vom September 1980 aus der Türkei nach West-Berlin floh. Die damalige türkische Militärdiktatur griff zu einem häufig genutzten Mittel und warf ihm die Beteiligung an einem Attentat vor. Dies bewog ihn, politisches Asyl zu beantragen. Anstatt dem Verfolgten Schutz zu gewähren, wurde im Juli 1982 Auslieferungshaft gegen Kemal Altun verfügt und im Februar 1983 seine Auslieferung beschlossen. Während seiner Anhörung über das Auslieferungsverfahren stürzte Kemal Altun sich am 30. August 1983 aus dem 6. Stock des Berliner Oberverwaltungsgerichts in den sicheren Tod. Erschüttert von dieser Verzweiflungstat benannten Mitglieder der Meck&Hambrock-Initiative den Platz Kemal-Altun-Platz  - gegen die Aushöhlung des Grundrechts auf Asyl durch die Verschärfung der Abschiebepraxis und als Ausdruck der Solidarität mit Flüchtlingen und Migranten.

Im November 2011 beschloss die Altonaer Bezirksversammlung mehrheitlich, dem Platz nun auch offiziell den Namen Kemal-Altun-Platz zu geben. Diesem Beschluss wurde vom Hamburger Senat bislang die Zustimmung verweigert. Um dem Senat auf die Sprünge zu helfen, stellen wir am Sonnabend, den 16. Juni anlässlich der altonale ab 14 Uhr schon mal Straßenschilder mit der Aufschrift Kemal-Altun-Platz auf.

HIERZU LADEN WIR ALLE EIN.

Kemal-Altun-Platz-Initiative

Rede von Cansu Özdemir

Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft

Flash is required!