Kinder- und Jugendhilfe

von Volker Vödisch (Vertreter der Bezirksfraktion DIE LINKE im Jugendhilfeausschuss Altona)

Entwurf einer Stellungnahme der LINKEN. Altona zur Kinder- und Jugendhilfe in Hamburg-Altona

In Hamburg bezogen am Jahresende 2007 28 Prozent aller Kinder bis zu sechs Jahren sowie 23 Prozent aller Minderjährigen im Alter von sieben bis siebzehn Jahren Leistungen nach SGB II (Hartz IV). Dieser Kreis wird um Kinder und Jugendliche erweitert, deren Eltern sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen befinden und deren Einkommen unter der Armutsgrenze liegt, ohne dass sie weitere staatliche Hilfen beantragt haben. Wer arm ist, hat weniger Chancen im Leben, wird unzureichend gefördert, erfährt eine schlechtere Bildung und nimmt selten am kulturellen und politischen Geschehen teil.

Kita - Gutschein

Insbesondere Armutskinder profitieren kaum von der Möglichkeit einer ganztägigen Unterbringung in Kindertageseinrichtungen. Schuld daran sind unter anderem die Vergabekriterien für Kita-Gutscheine. Für berufstätige oder in der Ausbildung befindliche Eltern bedeutet es kein Problem, einen Kita-Gutschein für die ganztägige Betreuung des Kindes zu erhalten. Anders ist es bei Kindern erwerbsloser Eltern. Bei ihnen geht man davon aus, dass sie sich selbst um ihre Kinder kümmern können. Doch viele von ihnen bringen nicht die Kraft und die Zeit auf, ihre Kinder so zu fördern, wie sie es benötigen. Sie sind oft mit sich selbst und ihren Problemen beschäftigt. Armut, Erwerbslosigkeit und die ständige Sorge um die Zukunft belasten die Familien sehr. Sie erkranken buchstäblich daran. Es gibt zwar für diese Fälle Ausnahmeregelungen, jedoch keinen Rechtsanspruch auf Betreuung. Dies gehört dringend geändert.

Psychische Auffälligkeiten und Störungen

MedizinerInnen, PsychologInnen und PädagogInnen schlugen im März 2009 anlässlich des Kongresses zur Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Universität Hamburg Alarm. Jedes fünfte Kind in Deutschland weise psychische Auffälligkeiten und weitere zehn Prozent würden deutlich erkennbare Störungen zeigen. Das Krankheitsspektrum ist groß und die Ursachen dafür sind vielfältig. Armut und soziale Herkunft spielen hierbei eine erhebliche Rolle.

Nach Aussage des Direktors der Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik am Universitätsklinikum Eppendorf würden etwa 30 Prozent der Jugendlichen in der Armutsschicht Störungen und Verhaltensauffälligkeiten aufweisen.

Diese Problematik ist vielen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe aus ihrer Praxis vertraut. Kindertageseinrichtungen (Krippen, Kindergärten, Kindertagesstätten) und Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit (Abenteuer- und Bauspielplätze, Jugendzentren, Spielhäuser etc.) sowie die der Hilfen zur Erziehung (ASD im Jugendamt, Kinderwohnheime, Tagesgruppeneinrichtungen, Sozialpädagogische Familienhilfe etc.) haben in Stadtteilen und Vierteln wie Wilhelmsburg, Billstedt, Steilshoop, Osdorfer Born und Altona-Nord mit ihnen zu tun, ohne wirklich auf sie eingerichtet zu sein.

Es fehlen neben kostenlosen oder wenigstens bezahlbaren Qualifizierungsangeboten viele Fachkräfte sowie genügend Sach- und Investitionsmittel. Weniger als 35 Millionen Euro werden zum Beispiel für knapp 270 Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit in ganz Hamburg aufgewandt. Im Bezirk Altona sind es gerade einmal 3,3 Millionen Euro für 37 Einrichtungen. Sie sind oft personell unterbesetzt, darunter eine Reihe von ihnen, die lediglich mit einer, einer halben oder ohne jede Personalstelle ausgestattet sind.

Ohne den Einsatz von ehrenamtlich tätigen Menschen und ohne Honorarkräfte könnten diese und auch besser ausgestattete Einrichtungen nicht betrieben werden. Dieser Umstand ist angesichts der zum Teil sehr hohen Zahl von StammnutzerInnen der unterschiedlichen Einrichtungen und der erheblichen sozialen Probleme in einigen Altonaer Stadtteilen gänzlich unverständlich. Ehrenamtliche sind zwar häufig motiviert und engagiert, aber eben nicht für die Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen in sozial belasteten Lebenslagen ausgebildet. Honorarkräfte wiederum arbeiten selten für eine längere Zeit in Einrichtungen. Sie wechseln, sobald sie können, in feste Beschäftigungsverhältnisse. Honorartätigkeiten werden ohnehin schlecht bezahlt und bieten keine Perspektive zur persönlichen Existenzsicherung. Eine kontinuierliche, nachhaltig wirkende und verlässliche Beziehungsarbeit ist mit Honorarkräften ohnehin nur im eingeschränkten Maße möglich.

Mehr Arbeit, kaum Personal, wenig Geld

Darüber hinaus müssen viele Einrichtungen der Jugendhilfe zusätzliche Arbeits- und Angebotsanforderungen annehmen und bewältigen. Die für sich betrachtet sinnvolle Zusammenarbeit in Netzwerken und in sozialräumlich wirkenden Teams in den Bereichen Suchtprävention, Suchthilfe, Hilfen zur Erziehung und zur Förderung sozial belasteter Familien werden durch die Personalknappheit, zu niedrige Gehälter und durch die zu geringen finanziellen Zusatzmittel konterkariert. Die Fachkräfte müssen entweder mehr arbeiten oder ihre eigentlichen Arbeitsbereiche vernachlässigen bzw. ihre Angebote verringern. Ein Beispiel hierfür ist die so bezeichnete Sozialräumliche Angebotsentwicklung (SAE), die im Bezirk Altona einen hohen politischen Stellenwert genießt.

Sie richtet sich an Kinder, Jugendliche und ihre Familien, die besonders gefördert und unterstützt werden müssen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Arbeitslosigkeit, die Abhängigkeit der Familie vom Bezug des Arbeitslosengeldes II, Armut trotz Arbeit, Verschuldung, Überforderung bei der Erziehung der Kinder, die Sorge um die Existenzsicherung, Suchtkrankheiten, erhebliche motorische und sprachliche Defizite bei den Kindern, hohe Unterrichtsfehlzeiten, mangelhaftes Durchhaltevermögen, Gewalt oder die stete Angst um den Erhalt des Aufenthaltstitels bei Familien aus den Nicht-EU-Staaten belasten diese Familien immens.

Das Bezirksjugendamt richtete die SAE-Projekte bevorzugt in den Stadtteilen ein, in denen diese sozialen Merkmale auffällig oft auftreten. Die Finanzierung erfolgt über die so bezeichnete Rahmenzuweisung aus dem Landeshaushalt. Viele Einrichtungen aus den unterschiedlichen Bereichen der Jugendhilfe bildeten unter Einbeziehung von Schulen und wenigen Sportvereinen Sozialraumteams in sieben Sozialräumen, nämlich in Altona – Altstadt, in Altona – Nord, in Ottensen, in Bahrenfeld sowie im Osdorfer Born und in Lurup. Sie entwickelten gemeinsam für die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien an ihren Lebensorten vielfältige Angebote, von Einzelfall- und Familienberatungen über Theater-, Koch- und Spielgruppen bis zu sportlichen Aktivitäten, Sprachförderung, Anti-Gewalttraining und Angeboten im Rahmen der Berufsfindung.

Diese SAE-Maßnahmen dienen dazu, im Vorfeld einer familiären Krise und im Vorwege der Gefährdung des Kindeswohls mit nachhaltigen Angeboten pädagogisch einzugreifen und andere Maßnahmen der Hilfen zur Erziehung vorerst zu vermeiden. Durch die Nähe zum Lebensort der Familien und über die Bekanntheit der Einrichtungen vor Ort bietet sich Kindern wie Eltern ein niedrigschwelliger Zugang zu den Projektangeboten.

Der Erfolg dieser Arbeit wird erst nach langer pädagogischer Arbeit sichtbar und hängt im starken Maße davon ab, ob diese Projekte langfristig gesichert bleiben, ob die Personalsituation in den Einrichtungen wie für die Projekte durch zusätzliche Einstellungen wenigstens im ausreichenden Maße verbessert wird und wie viel Geld mehr für Sach- und Honorarmittelkosten aufgebracht werden kann. Zur Zeit erhält der Bezirk für die SAE- Projekte gerade einmal 555.000,00 Euro. Im Grunde fehlen Mittel für die bessere Personalausstattung der Einrichtungen insgesamt und der SAE-Projekte im besonderen in Höhe von knapp einer Million Euro.

Kindeswohlgefährdung – zu viele Fälle, zu wenig Zeit und zu wenig Fachpersonal

Die Zahl der gemeldeten Kindeswohlgefährdungen und die der ambulanten wie stationären Hilfen zur Erziehung stiegen sprunghaft an. Der tragische Tod von zwei Hamburger Mädchen und die dramatischen Ausmaße von Vernachlässigung und Verwahrlosung der Kinder in ihren Familien legen schonungslos offen, wie schlecht es in weiten Teilen der Jugendhilfelandschaft bestellt ist.

Die Dienststellen des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) in den Jugendämtern sollen sich um angezeigte Fälle von Kindeswohlgefährdung kümmern und gegebenenfalls sofort geeignete Maßnahmen einleiten. Die Verantwortung ist groß, der Arbeitsdruck für die Fachkräfte ebenso. Schon vor dem bemerkenswert hohen Anstieg der angezeigten Fälle galten die ASD-Abteilungen als unterbesetzt. Seither wurden nur wenige unbesetzt gebliebene Stellen wieder mit Fachkräften versehen und zusätzlich 30 neue Stellen stadtweit ausgeschrieben, von denen jedoch nur zwölf besetzt wurden. In einzelnen Bezirken werden bis zu 120 Fälle von einer Fachkraft bearbeitet. Angesichts der damit verbundenen Arbeitsbelastung und der langen Bearbeitungszeit, die für viele Fälle aufgebracht werden muss, ist es ein unzumutbarer Zustand für die betroffenen Familien, Kinder und Fachkräfte.

Für jeden Fall wird ein komplexes Hilfesystem in Gang gesetzt. Fachgespräche und Erziehungskonferenzen mit weiteren Einrichtungen der Jugendhilfe, mit Schulen, Eltern und anderen Institutionen initiiert und abgehalten, vereinbarte Maßnahmen eingeleitet, der Verlauf kontrolliert und der Entwicklungsstand beurteilt. Die stationäre Unterbringung eines Kindes in ein Kinderwohnheim oder in einer Pflegefamilie kann genauso ein Ergebnis des Handelns sein wie der Verbleib des Kindes in der Familie mit einer Reihe von Verpflichtungen und Auflagen sowie mit Hilfe einer sozialpädagogischen Familienhilfe. All das setzt Zeit, Fachkompetenz und ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl voraus. Und die Politik muss mehr Geld in die Hand nehmen, um die Hilfen zur Erziehung den Erfordernissen entsprechend auszustatten.

Stattdessen sind der Senat und die Sozialbehörde bestrebt, den Bezirksämtern, insbesondere den Jugendämtern, die Auflage zu machen, das Fallzahlaufkommen zu begrenzen und die Kosten der Hilfen zur Erziehung nachhaltig zu senken. Sie verkaufen es als Qualitätsverbesserung und es bedeutet nur Sparen auf Kosten der Hilfe suchenden Menschen. Für das Jahr 2009 werden 176 Millionen Euro bereitgestellt, 23 Millionen Euro weniger als im Vorjahr!

Die ASD – Fachkräfte sollten nach Ansicht der Partei Die Linke nicht mehr als 40 Intensivfälle betreuen, um ihre zeitnahe Bewältigung zu garantieren. Insbesondere in Stadtteilen mit überdurchschnittlich vielen Erwerbslosen und Armutsfamilien sollte dementsprechend das Personal im ASD aufgestockt werden.

Außerdem sollten die Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit in den sozialen Brennpunkten des Bezirks jeweils eine zusätzliche Personalstelle für die sozialpädagogische Familienhilfe erhalten. Diese Einrichtungen haben aufgrund ihrer zum Teil langjährigen Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen ein weitgehend von Vertrauen geprägtes Verhältnis und einen schnellen Zugang zu deren und anderen Familien im Umfeld. Hilfs- und Unterstützungsangebote könnten unter dieser Voraussetzung effizienter und Erfolg versprechend gestaltet werden. Die qualifizierte Familienhilfe erfordert je nach Auftrag eine intensive und zeitaufwändige Arbeit mit einer entsprechenden Entwicklungsplanung und stellt einen eigenständigen Arbeitsbereich dar, der die Arbeit der Einrichtung sinnvoll ergänzt. Sie sollen unseren Vorstellungen nach mit den Projekten der sozialräumlichen Angebotsentwicklung und mit suchtpräventiv wirkenden Netzwerken wie „Connect“ kooperieren.

Wie sinnvoll sind Eltern-Kind-Zentren?

Infolge des Programms „Hamburg schützt seine Kinder“ beschloss der Senat im Jahr 2007 die Einrichtung von 22 Eltern-Kind-Zentren. Sie sollten Familien mit Kindern unter drei Jahren, die bisher keinen Anspruch auf eine öffentlich geförderte Kindertagesbetreuung in der Kita oder in der Kindertagespflege haben oder diese nicht in Anspruch nehmen wollen, durch bestimmte Angebote fördern und bilden, die Eltern beraten sowie ihre Erziehungskompetenzen stärken und aktivieren. Sie zielt vor allem auf Armutsfamilien. Der Zugang zu den Zentren soll niedrigschwellig sein. Letztlich geht es um die Betreuung der Kinder in diesen Einrichtungen mit einem besonderen Angebot für die Eltern. In jedem Fall kommt dieses Modell nicht ohne die Angliederung der Zentren an Kindertagesstätten und ohne die Beteiligung von Elternschulen und weiteren Einrichtungen der Gesundheits- und Jugendhilfe aus.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Eltern-Kind-Zentren nicht eher die Lightversion einer Kita darstellen. Unserer Ansicht nach können die oben beschriebenen Arbeitsaufträge auch direkt in einer Kita wahrgenommen werden. Die Kindertageseinrichtungen erfüllen ohnehin den Bildungsauftrag und können in Kooperation mit den oben genannten Einrichtungen eine stärkende, aktivierende und beratende Funktion für die Eltern der Kinder einnehmen. Es erfordert lediglich den politischen Willen, mehr Geld in die Hand zu nehmen, mehr qualifiziertes Personal, einen besseren Gruppenbetreuungsschlüssel ( neun Kinder auf eine Erzieherin oder einen Erzieher pro Gruppe) und im Idealfall einen kostenlosen Zugang aller Kinder ohne Einschränkungen wie es das Kita-Gutschein-System darstellt.

Im Bezirk Altona jedenfalls sollen neben den drei bereits geschaffenen Eltern-Kind-Zentren in Altona-Altstadt, Osdorf und Lurup bis 2010 vier weitere in Ottensen, Bahrenfeld, Altona-Nord und in Iserbrook entstehen.

Sprachförderung und Integration

Die Sprachförderung und die Integration von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit einer Migrationsgeschichte stellen ein weiteres zu lösendes Problem in Hamburg wie im Bezirk dar. Von insgesamt 67.229 Kindern bis 14 Jahren, die im März 2008 in Kinderkrippen, Kindergärten und in Kindertagesstätten betreut wurden, stammten 25.462 aus Familien mit einem Migrationshintergrund. In den Familien von 16.506 Kindern wurde nicht vorrangig deutsch gesprochen. Viele dieser Kinder verfügten über geringe Deutschkenntnisse und konnten sich nur unzureichend ausdrücken. Deshalb wies der Vorgängersenat die Kindertageseinrichtungen an, Sprachförderungsangebote zu schaffen, ohne jedoch im ausreichendem Maße finanzielle Mittel und zusätzliches Personal bereitzustellen. Die ErzieherInnen wurden kurz wie unzureichend geschult.

Die Linke tritt dafür ein, gemeinsam mit Fachkräften aus Wissenschaft und Praxis ein neues und umsetzbares Sprachförderungskonzept zu entwerfen. Außerdem fordern wir die Einrichtung von öffentlichen Alphabetisierungs- und Sprachschulen mit kostenfreien Zugang für Jugendliche und Erwachsene, die neu eingewandert sind oder trotz ihres Aufenthalts im Land nur über geringe Deutschkenntnisse verfügen. Die Sprache ist ein wesentlicher Schlüssel für die Integration und die Teilhabe am gesamtgesellschaftlichen Leben.

Ganztagsbetrieb der Schulen und die Betreuungslücke

Im Zuge der Umgestaltung der Schullandschaft und der zunehmenden Zahl von Ganztagsschulen, die in der Regel eine Betreuung der SchülerInnen bis 15:30 Uhr garantieren, entbrannte zuletzt eine Diskussion zwischen den Fachbehörden und PolitikerInnen verschiedener Parteien darüber, ob denn nicht für die Kinder und ihre Familien eine Betreuungslücke bis 18:00 Uhr bestehen würde und entsprechend geschlossen werden müsse. Damit stellte sich für sie auch die Frage, wer die Nachsorge übernehmen, also die Kinder und Jugendlichen bei Bedarf verbindlich betreuen soll.

Zuerst wurden die großen Träger der Kindertageseinrichtungen angesprochen, die jedoch sofort abwinkten. Ohne eine wesentlich bessere finanzielle, personelle und räumliche Ausstattung der Kindertageseinrichtungen wäre dieses Ansinnen nicht zu realisieren. Daraufhin verfiel man auf die offene Kinder- und Jugendarbeit, die schließlich über Kooperationserfahrungen im Rahmen der Sicherstellung des Ganztagsbetriebs im Nachmittagsbereich verfügt. Sie solle nun die Betreuung der Kinder übernehmen. Künftige PrimarschülerInnen (Vorschulkasse bis sechste Klasse) sollen von den SozialarbeiterInnen und ErzieherInnen sogar in den Schulen versorgt werden. Aber was für die Kindertageseinrichtungen gilt, gilt erst recht für die Einrichtungen der OKJA. Sie verfügen überhaupt nicht über die personellen und finanziellen Ressourcen, um dies tun zu können, selbst wenn sie es wollten.

Grundsätzlich ist die OKJA ein eigenständiger sozialpädagogischer Bereich mit spezifischen Angeboten. Sie darf nicht in eine Lückenbüßerrolle gedrängt werden. Der Senat hat es in der Vergangenheit versäumt, die Umstellung des Schulbetriebs auf eine Ganztagsbetreuung mit zusätzlichen Stellen für LehrerInnen und andere PädagogInnen sicherzustellen. Dieser Umstand führte dazu, dass der Nachmittagsbetrieb bis 15:30 Uhr in vielen Schulen gar nicht stattfinden könnte, wenn nicht viele Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit Angebote geschaffen hätten.

Der so bezeichnete Ganztagsbetrieb sorgte bei den davon beeinflussten Einrichtungen zu einem BesucherInnenschwund bis 16:00 Uhr und zu einer kürzeren Verweildauer der Kinder und Jugendlichen auf den Abenteuerspielplätzen oder in den Jugendclubs. Deshalb gingen viele Einrichtungen bereitwillig auf Kooperationen mit den Schulen ein und schufen für die SchülerInnen in ihren Einrichtungen kreative Angebote. Allerdings wird die professionelle Tätigkeit der Einrichtungen nur unzureichend entlohnt, die Honorarleistungen sind gering. Viele Einrichtungen veränderten außerdem ihre Öffnungszeiten und weiteten sie aus. Sie werden in der Regel gut besucht. Und nicht ohne Grund, denn der offene Zugang der Angebote und die Freiwilligkeit stellen wichtige Prinzipien der pädagogischen Arbeit der OKJA dar, deren Einrichtungen deshalb nicht mit den schulischen Strukturen verglichen werden können.

Schülerinnen und Schüler müssen nicht ständig und ausschließlich in der Schule betreut werden. Eine Betreuung in der Schule hieße das ununterbrochene Zusammensein in Gruppen und Klassen ohne die Möglichkeit, sich zurückziehen zu können oder darüber selbst zu entscheiden, was man wann wo und mit wem oder auch allein tun möchte. Nicht alles muss für Kinder und Jugendliche bis ins Kleinste geplant und organisiert werden. Es fehlt sonst im kindlichen Alltag das spontane, bedürfnisorientierte Handeln und das demokratische Element, selbst wählen und entscheiden zu können. Kinder und Jugendliche brauchen zeitweise das Zusammensein in ihren Peer-Groups ohne Kontrolle und Anforderungen von außen.

Deshalb befürwortet die Linke.Altona die wertvolle und eigenständige Existenz der offenen Kinder- und Jugendarbeit als einen wichtigen Bestandteil der Jugendhilfe und der kindlichen Lebenswelt. Sie lehnt es ab, die Schule als einzig möglichen Bildungs- und Betreuungsort zu betrachten, dem sich die OKJA unterzuordnen habe. Die Linke.Altona befürwortet die Kooperation mit Schulen auf gleicher Augenhöhe.

Sie setzt sich weiterhin für den Ausbau der Jugendhilfe ein. Sie wird gemeinsam mit den Fraktionen in der Bürgerschaft und in der Bezirksversammlung sowie mit allen Bündnispartnern für eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Kindertageseinrichtungen, der Hilfen zur Erziehung und für die offene Kinder- und Jugendarbeit streiten. Im Zusammenhang mit der Armutsbekämpfung halten wir die kostenlose Betreuung der Kinder und kostenlose Mittagessen für sie für anabdingbar.

Das Geld dafür ist da. Es ist ein Frage der politischen Prioritätensetzung, dies zu verwirklichen. Die CDU, die GAL und die SPD sind allerdings entschlossen, 400.000.000,00 Euro in eine elitäre Elbphilharmonie und unglaubliche 13.000.000.000,00 Euro in das marode Casino HSH Nordbank zu versenken. Umgerechnet bedeutet es, dass mit diesem Geld nach heutigem Stand rund 1.216 Krippen, Kindergärten, Kindertagesstätten sowie Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit 27 Jahre lang gefördert werden könnten! Und diese Einrichtungen betreuen in Hamburg jährlich mehr als 100.000 Kinder und Jugendliche!