Altonaer Linksfraktion fordert Landstromversorgung für Kreuzfahrtschiffe!

von Karsten Strasser und Jörg Wenger

Seit April 2011 im Betrieb - Neues Kreuzfahrtterminal in Altona

Altona-Altstadt. Kreuzfahrten erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Deshalb ist im April 2011 das neue Kreuzfahrtterminal im Altonaer Fischereihafen in Betrieb gegangen. Am 5.6.2011 stellte sich das neue Terminal mit einem Tag der offenen Tür der Altonaer Bevölkerung vor. „Es war ein Fest für die ganze Familie.“, freute sich die Betreibergesellschaft Hanseatic Cruise Centers GmbH, eine Tochter der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA).

Für die Altonaer Linksfraktion war die Einweihung des neuen Kreuzfahrtterminals erneut Anlass, die erhebliche Luftbelastung Altonas durch die schädlichen Emissionen der Kreuzfahrtschiffe in der Bezirksversammlung zu thematisieren. Die Linksfraktion beantragte bereits in der April-Sitzung der Bezirksversammlung Altona, möglichst schnell die dringend gebotene Landstromversorgung der Kreuzfahrtschiffe am Altonaer Terminal zu realisieren. Bereits in der letzten Wahlperiode hatte sich die Fraktion mehrfach dafür eingesetzt, eine Landstromversorgung zu installieren.

Hintergrund dieser Forderung ist, dass Kreuzfahrtschiffe auch wenn sie vor am Terminal vor Anker liegen, sich durch Betrieb ihrer Dieselgeneratoren mit Strom versorgen. Dies führt zu erheblichen Umweltbelastungen: Insbesondere die Belastungswerte von Schwefeldioxid, Stickoxiden und Rußpartikel in der Umgebung des Terminals steigen. Eine der Ursachen ist, dass die Kreuzfahrtschiffe immer noch mit schwefelhaltigem Schweröl betrieben werden. Es handelt sich um ein zähes Rückstandsöl, das als letzter Rest in Raffinerien anfällt und in den Schiffsabgasen aggressive Stoffe freisetzt (vgl. Hamburger Abendblatt vom 21.8.2007).

Als Lösungsansatz bietet sich an, dass die Kreuzfahrtschiffe, zumindest solange sie im Hafen liegen, landseitig mit Strom versorgt werden. Bislang war gegen die Landstromversorgung immer wieder eingewandt worden, dass dies wegen fehlender einheitlicher technischer Standards nur mit unverhältnismäßigem Aufwand möglich sei. Fakt ist aber, dass eine Studie u. a. vom Germanischen Lloyd, Vattenfall und der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) für den Terminalstandort Hafencity die Realisierbarkeit der Landstromversorgung bereits feststellte.

Es ist ein umweltpolitischer Skandal, dass in Altona ein Kreuzfahrtterminal eröffnet werden kann, ohne zugleich eine technische Lösung des Problems der stark gesundheitsschädlichen Schiffsemissionen umzusetzen. Dies konnte die Linksfraktion bei der Anhörung im Umweltausschuss der Bezirksversammlung am 27.6.2011 erneut thematisieren. Dort bezogen Experten der Fachbehörden des Senats zum Thema Landstromversorgung Stellung. Nach den bisherigen Meßmethoden seien die Grenzwerte für Stickoxide und Rußpartikel nicht überschritten. Gemessen wurde vor Ort bislang mit sog. Passivsammlern, die keine kurzzeitigen Belastungsspitzen dokumentieren können. Dies soll erst durch eine zusätzliche Messstation, die voraussichtlich erst in einem halben Jahr am Olbersweg in der Altonaer Altstadt aufgestellt werden wird. Außerdem soll ein Pilotprojekt für Landstromversorgung mit dem Kreuzfahrtschiff AIDA am Altonaer Terminal gestartet werden. Ob dies überhaupt zustande kommt, klärt sich frühestens Mitte September. Der Antrag der Linksfraktion zur Landstromversorgung wird in der August-Sitzung des Umweltausschusses weiter beraten werden.  Seit dem 1.7.2011 ist immerhin durch die Hamburg Port Authority eine Umweltkomponente für die Hafenbenutzungsgebühren eingeführt worden. Dies ist immerhin ein kleiner Anreiz für einen emissionsarmen Antrieb nicht nur von Kreuzfahrtschiffen, sondern auch für die Frachtschifffahrt.

Eines ist jedenfalls schon jetzt klar: Die Linksfraktion bleibt beim Thema Schiffsemissionen und Landstromversorgung weiter am Ball.

Karsten Strasser ist Bezirksabgeordneter in Altona. Er ist Umwelt- und Verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. Jörg Wenger ist Ständiger Vertreter im Verkehrsausschuss der Bezirksversammlung und Schiffsbautechniker.