Wie weiter mit der Statteilentwicklung in Ottensen?

Rede von Robert Jarowoy zur Aktuellen Stunde Februar 2009

In dieser Aktuellen Stunde geht es um die Frage der Verdichtung, der baulichen Verdichtung, wie sie vor allem hier in Ottensen stattfindet und wie sie offensichtlich von einem sehr großen Teil der Bevölkerung in keiner Weise gewünscht wird.

Anlass ist das, was noch in der letzten Sitzungsperiode, also noch vor den Wahlen, per Bebauungsplan in Bezug auf die Arnoldstrasse, die ehemalige Gewürzfabrik Petersen, beschlossen wurde: Ein 8geschossiger Wohnturm, der dort festgeschrieben wurde.

Soweit ich weiß - wir waren damals ja noch nicht in der Bezirksversammlung - mit der Begründung, dass der Hochbunker, der dort im Krieg errichtet wurde und jetzt abgerissen werden soll, ja auch diese Höhe gehabt habe, weswegen man nicht umhin könne, dem Wohnturm eine entsprechende Höhe zu genehmigen. Wenn das so ist, finde ich das völlig unsinnig, weil diese Hochbunker, die dort im Krieg gebaut worden sind, nichts mit städtebaulichen Aspekten zu tun hatten, sondern rein aus den Kriegsnotwendigkeiten, oder wie man das auch immer nennen will, entstanden sind. Und wenn sie eh abgerissen werden, sie dann zum Maßstab zu nehmen für das, was danach kommt, wo ansonsten in Ottensen durchweg eine 4geschossige Bebauung gilt, das halten wir für ein fatales Zeichen.

Ich möchte gerne auf die Morgenpost verweisen, und das ist gerade erst ein, zwei Wochen alt, was dort Leserinnen und Leser geäußert haben:

„MOPO-Leserin Melanie Kleinschmidt findet den Bau vollkommen daneben: 'Durch das Hochhaus werden Wohnhäuser, die teils unter Denkmalschutz stehen, komplett im Dunkeln verschwinden. Ebenso der beliebte Spielplatz Motte.' Sie sieht den Neubau als Katastrophe. Wirtschaftliche Interessen würden eindeutig vor die Interessen betroffener Anwohner gestellt.

Lieselotte Berger (68) 'Ich meine, dass dieses moderne Hochhaus hier in Ottensen überhaupt nicht in die Gegend und zu den historischen Nachbarhäusern passt.'

Irmgard Moritz (75) 'Gegen Neubauten ist ja nichts einzuwenden. Aber ein solcher moderner Klotz in dieser Gegend – das passt einfach nicht zusammen.'

Heinz Haberlandt (61) 'Bald werden wir nur noch auf diesen hässlichen Klotz blickenkönnen. Wer hat diese Schicki-Micki-Bude nur genehmigt?'

Ilse Buterfass (68) 'Was die Verantwortlichen sich dabei gedacht haben, das Projekt zu genehmigen, ist mir ein Rätsel, Ottensen verliert mehr und mehr sein Flair.'“

Das ist das, was die Bevölkerung dazu gesagt hat. Ich bzw. wir sehen des Weiteren die Gefahr, dass dieses nun zum Anlass genommen wird, zu sagen, „Was dem einen recht ist, ist dem anderen billig. Jetzt müssen wir auch weitere Bebauungstürme genehmigen“.

Denn, wir haben das häufig schon erlebt, z.B. in der Friedensallee, wo eigentlich eine 4geschossige Bebauung ist, wo dann irgendwo eine Ausnahmegenehmigung gegeben wurde für eine 6geschossige Bebauung, und, zack, wird gleich daneben auch eine 6geschossige Bebauung genehmigt. Das ist die Gefahr, die wir sehen, dass sich das weiter durchsetzen wird und Ottensen immer weiter zugebaut wird – in die Höhe und in die Fläche durch Verdichtung, Innenhofbebauung und dgl. mehr.

Weitere Beispiele dafür Sachen sind die Twin-Towers und der Diamant am Hafenrand mit ihren wahnwitzigen Höhen, die dort auch die Sicht und alles weitere für die Spaziergänger verschandeln.