SCHANZENFEST WIRD GEDULDET

von Robert Jarowoy

Vom 22. September bis zum 3. Oktober 2010 hat der Hamburger Sozialsenator Wersich CDU die 'Aktionstage – Nachbarschaft verbindet' ausgerufen und alle Beschäftigten des öffentlichen Dienstes persönlich angeschrieben, sich daran zu beteiligen.

Wörtlich heißt es in diesem Schreiben: „Ich würde mich freuen, wenn auch Sie sich mit eigenen Aktivitäten in ihrer Nachbarschaft an den Aktionstagen beteiligen. Suchen Sie sich Mitmacher! Der Phantasie und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Kinderfeste, Fußballturniere und Flohmärkte sind genauso möglich wie Nachbarschaftstreffs, spontane Garten-Partys oder Straßenverschönerungsaktionen. Vielleicht können Sie ja auch einen Verein, eine Kita oder Geschäfte in der Nachbarschaft als Partner gewinnen.“

Nun beschreibt dies ziemlich genau das, was alljährlich beim Schanzenfest, dem wohl größten selbstorganisierten Straßenfest Hamburgs geschieht. Dieses für den 4. September geplante Fest wollte der Altonaer Bezirksamtsleiter allerdings verhindern und jeden Flohmarkt- oder Infostand bereits beim Aufbau stoppen und abräumen lassen.

Dies steht natürlich in einem krassen Widerspruch. Die Bürgerinnen und Bürger sollen sich bitte sehr engagieren, natürlich ehrenamtlich, aber keinesfalls selbstorganisiert, sondern nur mit kostenpflichtiger Anmeldegebühr und kommerziell wie beim Hafengeburtstag, Alstervergnügen oder dergleichen, und wenn es womöglich zu irgendwelchen unkalkulierbaren Auseinandersetzungen kommt, wie z.B. mitunter auch nach Fußballspielen oder anderen Events, soll jemand dafür mit irrsinnigen Geldforderungen haftbar gemacht werden.

Das wird und will keiner tun, zumal es auch dem selbstorganisierten Charakter dieses Straßen-, Nachbarschafts- und Stadtteilfestes völlig zuwider laufen würde. Für dieses Jahr hat die in zeitlicher Nähe stattfindende Bürgermeisterwahl zu einer offiziellen Duldung geführt. Wir hoffen, dass im nächsten Jahr dieser vernünftige Beschluss weiterhin gültig ist.