Zukunft sichern für das Wohnprojekt Holstenkamp

Dringlicher Antrag der Fraktion DIE LINKE zur BV am 25. Juni 2009

Obdachlose Punks aus verschiedenen Regionen der BRD lebten zum Teil viele Jahre auf der "Platte" in Hamburg. Sie übernachteten bei McDonalds vor dem Bahnhof Altona. Im August 2008 zogen 16 Punks in zwei leer stehende Häuser im Holstenkamp ein, die "Fördern & Wohnen" gehören. Das Jugendamt Altona und die Straßensozialarbeit Straßenpflaster waren hauptsächlich und in Kooperation mit weiteren Jugendhilfe- und Beschäftigungsträgern damit befasst. Das Wohnprojekt wurde mit Mitteln aus dem Winternotprogramm bis zum 14.04. finanziert.

Das Wohnprojekt gibt den Punks, junge Erwachsene unter 25 Jahre, einen sicheren Rahmen und festen Halt. Sie haben die Kraft gefunden miteinander als Gemeinschaft zu leben sowie sich gesundheitlich, psychisch und sozial zu stabilisieren. Diese Sicherheit verlieh ihnen die Kraft, für sich selbst eine neue Lebensperspektive zu entwickeln. Acht BewohnerInnen holen einen Schulabschluss nach, befinden sich im Praktikum, in einer überbetrieblichen Ausbildung oder in Arbeit. Andere sind noch auf der Suche. Alle werden noch von den Strassensozialarbeit-Einrichtungen betreut, mit denen sie auch schon vorher Kontakt hatten (siehe Anlage).

Fördern & Wohnen beziffert die Kosten für die Versorgung der Personen mit 11,50 Euro pro Tag, das macht also jährlich rund 67.000,- Euro bei 16 Plätzen. Dies ist nach Berechnung des Bezirksamts Altona weitaus preiswerter als HzE- Maßnahmen. Der Jugendhilfeausschuss hat in seiner April-Sitzung einem Antrag zugestimmt, wonach das Projekt für ein weiteres Jahr abgesichert werden soll und deshalb ein Antrag auf Förderung des Wohnprojekts Holstenkamp in Höhe von 70.000,- Euro bei der BSG (Behörde für Soziales, Familien, Gesundheit und Verbraucherschutz) gestellt werden soll.

Die beantragten Mittel sollen nicht bewilligt werden. Zum Jahresende werden alle Häuser im Holstenkamp verkauft! Die BewohnerInnen sollen zum 30. September die Häuser verlassen. Einigen BewohnerInnen wurden schon Zweizimmerwohnungen in Rahlstedt und Harburg angeboten. Das Wohnprojekt will zusammenbleiben und lehnt solche Angebote ab. Eine Unterbringung bei HzE-Trägern (Hilfen zur Erziehung, zum Beispiel in betreuten Wohngruppen) ist nur für unter 21jährige und zudem nicht angebracht. Die Gefahr ist sehr groß, dass mit dem Zwangsauszug und der unterschiedlichen Verteilung der BewohnerInnen auf unterschiedliche Orte die zarten Erfolge des Projekts in das Gegenteil verkehrt werden! Viele Punks werden vermutlich enttäuscht, demotiviert und frustriert in die Obdachlosigkeit zurückkehren.

Vor diesem Hintergrund beschließt die Bezirksversammlung:

  1. Die Bezirksversammlung empfiehlt der BSG (§27 BezVG), die beantragten Mittel in Höhe von 70.000,- Euro doch noch zu bewilligen.
  2. Die Bezirksversammlung fordert das Bezirksamt auf und empfiehlt der BSG gemeinsam nach einem Weg zu suchen, dass das Wohnprojekt im Holstenkamp bleiben kann.
  3. Sollte Punkt 2 nicht realisierbar sein, so soll das Bezirksamt, gemeinsam mit der BSG, nach einem anderen geeignetem Domizil für die gesamte Gruppe suchen. Um für die Suche nach einen anderen Standort Zeit zu gewinnen, soll das Wohnprojekt bis eine Alternativlösung gefunden wurde, im Holstenkamp bleiben können.